Der Schweizer

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Melodie - J. W. Lyra
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Links: aus Des Knaben Wunderhorn, I. Band
Rechts: Parodie von 1871?

Zu Straßburg auf der Schanz,
Da ging mein Trauren an,
Das Alphorn hört ich drüben wohl anstimmen,
Ins Vaterland mußt ich hinüber schwimmen,
Das ging nicht an.

2. Ein Stunde in der Nacht
Sie haben mich gebracht:
Sie führten mich gleich vor des Hauptmanns Haus,
Ach Gott, sie fischten mich im Strome auf,
Mit mir ists aus.

3. Früh Morgens um zehn Uhr
Stellt man mich vor das Regiment;
Ich soll da bitten um Pardon,
Und ich bekomm doch meinen Lohn,
Das weiß ich schon.

4. Ihr Brüder allzumahl,
Heut seht ihr mich zum leztenmahl;
Der Hirtenbub ist doch nur Schuld daran,
Das Alphorn hat mir solches angethan,
Das klag ich an.

5. Ihr Brüder alle drey,
Was ich euch bitt, erschießt mich gleich;
Verschont mein junges Leben nicht,
Schießt zu, daß das Blut 'raus spritzt,
Das bitt ich Euch.

6. O Himmelskönig Herr!
Nimm du meine arme Seele dahin,
Nimm sie zu dir in den Himmel ein,
Laß sie ewig bey dir seyn,
Und vergiß nicht mein.

Zu Straß auf der Schanz,
Da ging meine Trauern an.
Da wollt' ich den Franzosen desertieren
Und wollt' ich bei den Preußen probieren,
Das ging nicht an.

2. Des Morgens um halb acht,
Da hat man mich gefangen gebracht.
Und sie stellten mich vor hohen Hauptmanns Haus
Und, o Himmel, war wird denn daraus?
Mit mir ist's aus.

3. Des Mittags um halb vier,
Da stellt man mich dem Regiment vor,
Und sie lasen mir mein Todesurteil vor,
Daß ich scheiden und sterben muß,
Nach zwei bis drei Schuß.

4. Ihr Brüder allzumal,
Nun seht ihr mich zum letztenmal.
Schießt nur tapfer, daß das rote Blut rausspritzt,
Ja, verschont mir mein jungfrisch Leben nicht.
Verschont meiner nicht!

5. O Himmelskönigin,
Nimm du meine arme Seel dahin!
Nimm sie zu dir in Himmel hinein!
Laß sie ewig, ewig bei dir sein,
Und vergiß nicht mein!

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