Scheiden und Meiden

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Melodie -
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Volkstümlich um 1890

Wer das Scheiden hat erfunden,
Hat an Liebe nicht gedacht,
Sonst hätt er die schönsten Stunden
In der Liebe zugebracht.

2. Meine Augen sind voll Tränen,
Und mein Herze schwimmt in Blut,
Niemals kann ich dich vergessen,
Denn du warst mir ja so gut.

3. Könnt ich dich noch einmal sprechen,
Könnt ich dich noch einmal sehn,
Würdest du, mein Allerliebster,
Sicher niemals von mir gehn.

4. Hätt ich Tinte, hätt ich Feder,
Hätt ich Zeit und Schreibpapier,
Würd ich dir die Zeit aufschreiben,
Die du nicht geweilt bei mir.

5. Lieben hast du mich gelehret,
Lehrst mich nun, was Leiden sei,
Und doch kann ich es nicht fassen,
Daß die Zeit des Glücks vorbei

6. Sei es nun, so laß uns scheiden
Ohne Gruß und Druck der Hand,
Denn es hat sich von uns beiden
Unsre Liebe abgewandt.

7. Alles Drängen, alles Wogen,
Alles Sehnen ohne Ruh,
Alles, alles hat gelogen,
Und enttäuscht bin ich und du.

8. Lebe wohl, du falscher Jüngling,
Lebe wohl, du falsches Herz!
Erst warst du mein ein und alles,
Nun bist du mein ganzer Schmerz.

9. Findst du einst im fremden Lande
Eine andre, die dich liebt,
Sag ihr nichts von meinem Herzen,
Sag ihr nur, du kenntest mich.

10. Stehst du einst an meinem Grabe,
Deckt mich kühle Erde zu,
Denk, was ich gelitten habe,
Gönne mir die ew'ge Ruh.

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