Jesu, der du Thor und Riegel

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Kaspar Neumann, 1648-1715

Jesu, der du Thor und Riegel
Der Verdammnis aufgemacht
Und im Grabe Stein und Siegel
Hast so viel als nicht geacht,
Mache doch mein Herze frei,
Daß es nicht verschlossen sei.

2. Hebe weg die schweren Steine,
Die kein Mensch nicht heben kann,
Daß mir nichts unmöglich scheine,
Was du hast für uns gethan,
Und ich alles recht und wohl
Glaube, was ich glauben soll.

3. Thomas mag im Zweifel stehen
Und Kleophas traurig sein,
Mir laß alle Furcht vergehen,
Reiß auch allen Zweifel ein,
Und in einer jeden Not
Bleibe du mein Herr und Gott.

4. Tod und Teufel sind bezwungen,
Teile nun den Sieg mit mir,
Und wie du bist durchgedrungen,
Also nimm mich auch zu dir,
Daß ich aus des Satans Macht
Werde ganz zu Gott gebracht.

5. In mir selbst bin ich erstorben,
Wecke mich, mein Heiland, auf,
Und der Geist, den du erworben,
Führe täglich meinen Lauf,
Daß ich auf der guten Bahn
Fang ein neues Leben an.

6. Künstig wird die Zeit erscheinen,
Da wir selber auferstehn
Und zu dir mit Fleisch und Beinen
Werden aus dem Grabe gehn.
Ach verleih, daß dieser Tag
Ewig mich erfreuen mag.

7. Bringe denn die armen Glieder,
Die jetzt krank und elend sind,
Aus dem Schoß der Erde wieder,
Und verkläre mich, dein Kind,
Daß ich in des Vaters Reich
Werde deinem Leibe gleich.

8. Zeige mir da Händ und Füße,
Welche Thomas hat gesehn,
Daß ich sie mit Demut küsse,
Weil es hier nicht ist geschehn,
Und hernach von Sünden frei
Ewig dein Gefährte sei.

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