Im schönsten Wiesengrunde
Das stille Tal

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Melodie - "Drei Lilien", 1833 in Heidelberg gesungen
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Wilhelm Ganzhorn, 1851, aus der schwäbischen Lieder-Chronik, 1876

Im schönsten Wiesengrunde
Ist meiner Heimat Haus,
Da zog ich manche Stunde
Ins Tal hinaus.
Dich mein stilles Tal
Grüß ich tausendmal!
Da zog ich manche Stunde
Ins Tal hinaus.

2. Wie Teppich reich gewoben,
Steht mir die Flur zur Schau;
O Wunderbild,
Und oben des Himmels Blau.
Dich mein stilles Tal
Grüß ich tausendmal!
O Wunderbild,
Und oben des Himmels Blau.

3. Herab von sonn'ger Halde
Ein frischer Odem zieht;
Es klingt aus nahem Walde
Der Vögel Lied.
Dich mein stilles Tal
Grüß ich tausendmal!
Es klingt aus nahem Walde
Der Vögel Lied.

4. Die Blume winkt dem Schäfer
Mit Farbenpracht und Duft;
Den Falter und den Käfer
Zu Tisch sie ruft.
Dich mein stilles Tal
Grüß ich tausendmal!
Den Falter und den Käfer
Zu Tisch sie ruft.

5. Das Bächlein will beleben
Den heimlich trauten Ort;
Da kommt's durch Wiesen eben
Und murmelt fort.
Dich mein stilles Tal
Grüß ich tausendmal!
Da kommt's durch Wiesen eben
Und murmelt fort.

6. Das blanke Fischlein munter
Schwimmt auf und ab im Tanz;
Rings strahlen tausend Wunder
Im Sonnenglanz.
Dich mein stilles Tal
Grüß ich tausendmal!
Rings strahlen tausend Wunder
Im Sonnenglanz.

7. Wie schön der Knospen Springen,
Des Tau's Kristall im Licht!
Wollt ich es alles singen -
Ich könnt es nicht!
Dich mein stilles Tal
Grüß ich tausendmal!
Wollt ich es alles singen -
Ich könnt es nicht!

8. Kommt, kommt der Tisch der Gnaden
Winkt reichlich überall;
Kommt, all' seid ihr geladen
Ins stille Tal!
Dich mein stilles Tal
Grüß ich tausendmal!
Kommt, all' seid ihr geladen
Ins stille Tal!

9. Wie froh sind da die Gäste!
Da ist nicht Leid noch Klag';
Da wird zum Friedensfeste
Ein jeder Tag!
Dich mein stilles Tal
Grüß ich tausendmal!
Da wird zum Friedensfeste
Ein jeder Tag!

10. Wie sieht das Aug so helle
Im Buche der Natur!
Der reinsten Freuden Quelle
Springt aus der Flur.
Dich mein stilles Tal
Grüß ich tausendmal!
Der reinsten Freuden Quelle
Springt aus der Flur.

11. Hier mag das Herz sich laben
Am ew'gen Festaltar;
Kommt, bringet Opfergaben
Mit Jubel dar!
Dich mein stilles Tal
Grüß ich tausendmal!
Kommt, bringet Opfergaben
Mit Jubel dar!

12. Müßt aus dem Tal ich scheiden,
Wo alles Lust und Klang,
Das wär mein herbstes Leiden,
Mein letzter Gang.
Dich, mein stilles Tal,
Grüß ich tausendmal!
Das wär mein herbstes Leiden,
Mein letzter Gang.

13. Sterb ich, in Tales Grunde
Will ich begraben sein,
Singt mir zur letzten Stunde
Beim Abendschein:
Dir, o stilles Tal,
Gruß zum letztenmal!
Singt mir zur letzten Stunde
Beim Abendschein.


Quelle: J. Arnold, W. Ganzhorn, Sindelfingen 1969
Wir danken M.A. Barbara Löslein vom Stadtarchiv der Stadt Neckarsulm für die Kopie des vollständigen Gedichts und für den Hinweis auf das Originalmanuskript im Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar.

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