Das Weinen

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Melodie - Franz Schubert, 1827
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Karl Gottfried von Leitner, 1800-1890

Gar tröstlich kommt geronnen
Der Tränen heil'ger Quell,
Recht wie ein Heilungsbronnen,
So bitter, heiß und hell.
Darum du Brust voll Wunden,
Voll Gram und stiller Pein,
Und willst du bald gesunden,
So tauche da hinein.

2. Es wohnt in diesen Wellen
Geheime Wunderkraft,
Die ist für wehe Stellen
Ein linder Balsamsaft;
Die wächst mit deinen Schmerzen,
Und faßet, hebt und rollt
Den bösen Stein vom Herzen,
Der dich zerdrücken wollt'.

3. Das hab' ich selbst empfunden
Hier in dem Trauerland,
Wenn ich, vom Flor umwunden,
An lieben Gräbern stand.
Da schalt in irrem Wähnen
Ich selbst auf meinen Gott,
Es hielten nur die Tränen
Der Hoffnung Schiffchen flott.

4. Drum hält dich auch umfangen
Der Schwermut trübste Nacht,
Vertrau' in allem Bangen
Der Tränen Zaubermacht.
Bald, wenn vom heißen Weinen
Dir rot das Auge glüht,
Wird neu der Tag erscheinen,
Weil schon der Morgen blüht.

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