Ermuntre dich, mein schwacher Geist

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Johann Rist, 1607-1667

Ermuntre dich, mein schwacher Geist,
Und trage groß Verlangen,
Ein kleines Kind, das Vater heißt,
Mit Freuden zu empfangen.
Dies ist die Nacht, darin es kam
Und menschlich Wesen an sich nahm,
Dadurch die Welt mit Treuen
Als seine Braut zu freien.

2. Willkommen, süßer Bräutigam,
Du König aller Ehren,
Willkommen, Jesu, Gottes Lamm.
Ich will dein Lob vermehren,
Ich will dir all mein lebenlang
Von Herzen sagen Preis und Dank,
Daß du, da wir verloren,
Für uns bist Mensch geboren.

3. O großer Gott, wie konnt es sein,
Dein Himmelreich zu lassen,
Zu springen in die Welt hinein,
Da nichts denn Neid und Hassen?
Wie konntest du die große Macht,
Dein Königreich, die Freudenpracht,
Ja dein erwünschtes Leben
Für solche Feind hingeben?

4. Ist doch, Herr Jesu, deine Braut
Ganz arm und voller Schanden,
Noch hast du sie dir selbst vertraut
Am Kreuz in Todesbanden;
Liegt sie doch, da sie dich verließ,
In Fluch und Tod und Finsternis,
Noch darfst du ihretwegen
Dein Scepter von dir legen.

5. Du Fürst und Herrscher dieser Welt,
Du Friedenswiederbringer,
Du kluger Rat und tapfrer Held,
Du starker Höllenzwinger,
Wie ist es möglich, daß du dich
Erniedrigest so jämmerlich,
Als wärest du im Orden
Der Bettler Mensch geworden?

6. O großes Werk, o Wundernacht,
Dergleichen nie gefunden,
Du hast den Heiland hergebracht,
Der alles überwunden,
Du hast gebracht den straken (starken???) Mann,
Der Feur und Wolken zwingen kann,
Vor dem die Himmel zittern
Und alle Berg erschüttern.

7. Brich an, du schönes Morgenlicht,
Und laß den Himmel tagen;
Du Hirtenvolk, erschrecke nicht,
Weil dir die Engel sagen,
Daß dieses schwache Knäbelein
Soll unser Trost und Freude sein,
Dazu den Satan zwingen
Und letztlich Friede bringen.

8. O liebes Kind, o süßer Knab,
Holdselig von Geberden,
Mein Bruder, den ich lieber hab
Als alle Schätz auf Erden,
Komm, Schönster, in mein Herz hinein,
Komm eilend, laß die Krippe sein;
Komm, komm, ich will bei Zeiten
Dein Lager dir bereiten.

9. Sag an, mein Herzensbräutigam,
Mein Hoffnung, Freud und Leben,
Mein edler Zweig aus Jakobs Stamm,
Was soll ich dir doch geben?
Ach nimm von mir Leib, Seel und Geist,
Ja alles, was Mensch ist und heißt,
Ich will mich ganz verschreiben,
Dir ewig treu zu bleiben.

10. Lob, Preis und Dank, Herr Jesu Christ,
Sei dir von mir gesungen,
Daß du mein Bruder worden bist
Und hast die Welt bezwungen;
Hilf, daß ich deine Gütigkeit
Stets preis in dieser Gnadenzeit
Und mög hernach dort oben
In Ewigkeit dich loben.

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