Das war der Zwerg Perkeo

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Melodie - Stefan Gruwe
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Josef Viktor Scheffel

Das war der Zwerg Perkeo
Im Heidelberger Schloß,
An Wuchse klein und winzig,
An Durste riesengroß.
Man schalt ihn einen Narren,
Er dachte: "Liebe Leut,
|: Wart ihr wie ich doch alle
Feucht-fröhlich und gescheut! :|

2. Und als das Faß, das große,
Mit Wein bestellet war,
Da ward sein künftger Standpunkt
Dem Zwerge vollig klar.
"Fahr wohl", sprach er, "o Welt,
Du Katzenjammertal,
|: Was sie auf dir hantieren,
Ist wurst mir und egal. :|

3. Um lederne Ideen
Rauft man manch heißen Kampf,
Es ist im Grund doch alles
Nur Nebel, Rauch und Dampf!
Die Wahrheit liegt im Weine.
Beim Weinschlürf sonder End
|: Erklär ich alter Narre
Fortan mich permanent." :|

4. Perkeo stieg zum Keller;
Er kam nicht mehr herfür
Und sog bei fünfzehn Jahre
Am rhein'schen Malvasier.
War's drunten auch stichdunkel,
Ihm strahlte inneres Licht,
|: Und wankten auch die Beine,
Er trank und murrte nicht. :|

5. Als er zum Faß gestiegen,
Stand's wohlgefüllt und schwer,
Doch als er kam zu sterben,
Klang's ausgesaugt und leer.
Da sprach er fromm: "Nun preiset,
Ihr Leute, des Herren Macht,
|: Die in mir schwachem Knirpse
So Starkes hat vollbracht. :|

6. Wie es dem kleinen David
Gegen Goliath einst gelang,
Also ich arm Gezwerge
Den Riesen Durst bezwang.
Nun singt ein de profundis,
Daß das Gewölb erdröhnt,
|: Das Faß steht auf der Neige,
Ich falle sieggekrönt." :|

7. Perkeo ward begraben -
Um seine Kellergruft
Beim leeren Riesenfasse
Weht heut noch feuchte Luft.
Und wer als frommer Pilger
Frühmorgens ihr genaht:
|: Weh ihm! Als Weinvertilger
Durchtobt er nachts die Stadt! :|

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